Liederkranz Meimsheim

Bericht der Heilbronner Stimme über den "Tag der Männerstimme" 2008

Bericht der Heilbronner Stimme über den "Tag der Männerstimme" 2008

 

Atmen ist eine sehr persönliche Sache
Bericht sowie Bild von Stefanie Pfäffle

Erschienen in der Heilbronner Stimme am 03.03.2008

Güglingen - Ein bisschen merkwürdig sieht das ja schon aus, was da am Samstagnachmittag im Güglinger Rathaus passiert. Da sitzen 40 gestandene Männer und klopfen sich mit ausgestreckten Fingern auf den Kopf, die Augenbrauen oder das Schlüsselbein. Damit wollen sie blockierte Energien freisetzen, um anschließend kraftvoller singen zu können. Es ist nur eine Technik, die sie heute beim „Tag der Männerstimmen“ des Zabergäu Sängerbundes lernen.

Energetische Übungen Gesangspädagogin Margarete Klotz erklärt gleich zu Beginn: „Wir machen heute auch energetische Übungen“, und schon reiben sich alle kräftig die Hände, Energie freilassen. So haben das schließlich schon unsere Großväter gemacht, bloß das Spucken lässt man heute eher weg. Auch die Stimmen kommen umgehend zum Einsatz. Beim indianischen Begrüßungslied „Hey hey ungala“ beklopfen sich alle in der beschriebenen Weise im Takt der Musik. Neun so genannte MFT-Punkte (Mentalfeldtherapie) gibt es am Körper, jeder ist für eine andere Region wie Gehirn oder Nieren zuständig, sie allen können durch Blockade die Körperenergie behindern. „Spüren Sie schon was?“, fragt Klotz. Manche nicken. Dann das Ganze noch mal mit Akkorden. Und wirklich, die Stimmen, die das Rathaus erfüllen, klingen kräftiger als noch zu Beginn.

Richtiges Abspannen Bodo Kowalzik ist begeistert. Der Löchgauer ist bereits zum zweiten Mal beim „Tag der Männerstimmen“. „Man merkt einfach, dass man Mängel in der Singtechnik hat und hier lernt man unheimlich viel.“ Etwa, wie man durch richtiges Abspannen die Lungen besser füllen kann, um eine ganze Zeile singen zu können. „Das ist sonst schwierig, und wenn man zu früh atmet, ist die ganze Spannung weg.“ Bereits im vergangenen Jahr konnte er merkliche Unterschiede in seinem Gesang spüren. „Ich bin eigentlich Bariton, aber wenn ich hier rausgehe, kann ich auch Tenor singen.“ Solche Aussagen freuen Gauchorleiterin Ursula Layher, neben Klotz die einzige Frau heute.

Im November beim „Tag der Frauenstimmen“ ist es wieder anders. Die Trennung nach Geschlechtern ist Absicht. „Einerseits wäre sonst einfach die Teilnehmerzahl zu groß, andererseits können die Männer, die teilweise aus reinen Männerchören stammen und nie mit Frauen singen, mal ganz unter sich sein.“ Das starke Geschlecht habe seinen Tag zuerst gehabt.

Kopflastige Männer - Das Arbeiten unterscheide sich bei den Geschlechtern allerdings nicht stark, findet Klotz. „Es ist halt alles eine Oktave tiefer, und die Literatur ist eine andere“, erklärt die Dozentin. Die Einstellung beim Singen sei jedoch recht verschieden. Während Frauen eher ganzheitlich an die Sache rangehen, seien Männer eher kopflastig, öffnen sich auch nicht so leicht. „Da holen sie aber auf.“ Das richtige Atmen sei eben eine sehr persönliche Sache.

Die geübt werden muss. „Probieren Sie es mal, wenn Sie weiter vorne auf dem Stuhl und gerade sitzen.“ Das Atmen fällt in dieser Position merklich einfacher, als wenn man scheinbar entspannt lehnt. Gleich einmal ausprobieren, wenn alle „Zarter Mohn“ singen. Nein, das Atmen war an der falschen Stelle. Beim nächsten Versuch klappt es besser. Dann kann man das Ganze ja gleich auch noch vierstimmig im Kanon singen. „Das war ein richtig schöner Sound“, lobt die Dozentin.