Liederkranz Meimsheim

Chronik

 

Meimsheim 1838 - ein Bauerndorf mit ungefähr 1000 Einwohnern, im unteren Zabergäu gelegen. König Wilhelm I hat zu dieser Zeit das Land regiert. Es gab schon eine Kirche, ein Pfarrhaus, ein Rathaus und eine Schule. Es gab aber keine Wasser- und keine Stromleitung, kein Telefon, kein Fernsehen, kein Radio, keine Autos und kein Zabergäuzügle.

Damals fanden sich hier Männer zu gemeinsamem Singen zusammen und gründeten den Liederkranz als ersten Verein im Dorf. Der erste Dirigent war Lehrer Brüstle und gesungen wurde in der Schule. Die Kosten für das Lampenöl und für Brennmaterial musste der Liederkranz selbst aufbringen. Die ersten Jahre waren sehr wechselvoll, sogar einen Dornröschenschlaf gab es zwischendurch und von sehr knappen Geldmitteln für den Notenkauf wird berichtet. Auch mehrere Dirigentenwechsel waren nötig. Darauf folgten Jahre regen Treibens. Schon 1906 ist der erste Ausflug verzeichnet, er ging nach Heidelberg. Der Liederkranz gehörte zum Dorfleben dazu. Es gab Sängerfeste, Singen im Gottesdienst und bei Hochzeiten, Geburtstagen und Beerdigungen.

Zum ersten Weltkrieg wurden 27 Sänger unter die Waffen gerufen. Vier davon kamen nicht zurück. Am 5. Januar 1919 feierte die Gemeinde in der Kirche eine Heimkehrerbegrüßung, wobei der Liederkranz mitwirkte.

In der folgenden politisch und wirtschaftlich schweren Zeit hat sich das Vereinsleben nur langsam wieder stabilisiert. 1930 war aber doch die Anschaffung eines Klaviers möglich. 1933/34 sind über 100 Vereinsmitglieder verzeichnet, davon 40 Sänger und es wurden wieder Feste gefeiert und Ausflüge gemacht.

Beim Ausbruch des zweiten Weltkriegs wurden 25 Sänger und der Dirigent einberufen, sodass nur ein notdürftiger Singstundenbetrieb, zusammen mit den Sängern aus Hausen und Botenheim, möglich war um bei Trauergottesdiensten und Gedenkfeiern singen zu können, was häufig nötig war, weil viele Männer aus der Gemeinde gefallen sind. Dieser Krieg forderte 18 Gefallene und Vermisste aus den Sängerreihen.

Im März 1947 konnte wieder eine Generalversammlung abgehalten werden und das Vereinsleben kam erneut in Schwung. Die Mitgliederzahl betrug damals 162 Personen..

Ab Februar 1949 erhielt der Männergesangverein Unterstützung von 22 Frauen und es wurde als Männerchor, als Frauenchor und als gemischter Chor gesungen.

Nächster großer Auftritt war 1953 ein Jubiläums-Sängerfest wobei der Liederkranz vom erwirtschafteten Gewinn eine Spende für den Gemeindehallenbau beisteuern konnte.

In den Folgejahren sind wieder eine Reihe von Ausflügen verzeichnet, für deren Beliebtheit eine belegte Teilnehmerzahl von 115 Personen steht

1963 kam Werner Vollmer als Dirigent zum Liederkranz, der schon im folgenden Jahr einen Kinderchor gründete, den 1965 Wolfgang Aisenpreis übernahm und mit Geschick weiterbildete.

1969 übernahm Wolfgang Aisenpreis auch den Liederkranz, sodass alles in seinen Händen lag was zu einer Blütezeit des ganzen Gesangvereins führte. Den Kinderchor übernahm später Frau Leibfried, sie war die erste Chorleiterin im Zabergäusängerbund.

Paul Jesser, der seit 1959 die Geschicke als erster Vorsitzender lenkte war nicht sehr glücklich mit der Notwendigkeit, die jetzt doch recht häufigen Übungsabende in einem Schulraum unterbringen zu müssen. Deshalb hatte er die Idee, das nicht mehr benötigte und feilgewordene Milchhäusle zu erwerben. 1976 kam der Kauf zustande und der Liederkranz hat sich die Umbau- und Einrichtungsarbeiten mit viel Eigenleistung geschultert. Zwei Jahre später fand die Einweihung statt und noch heute sind die damals beteiligten Mitglieder stolz auf das Vollbrachte,: auf das „Haus Liederkranz".

Die nächste große Sache war 1988 das 1200-jährige Jubiläum von Meimsheim und das 150-jährige Liederkranzjubiläum. Es wurde ein wunderschönes Fest in das die ganze Dorfgemeinschaft eingebunden war. Beim Festzug stellte der Liederkranz den Bauernkrieg dar. Die Männer zeigten in Frack und Zylinder einen richtigen Männerchor.

Dann folgten wechselvolle Jahre in denen sich das inzwischen zur Tradition gewordene Lindenhöflesfest etablierte.

Das Jahr 2001 brachte eine schmerzliche Wende. Der Chorleiter, Wolfgang Aisenpreis erkrankte schwer und musste im August 2002 zu Grabe getragen werden. Seine Spuren sind noch jetzt überall erkennbar. Als neuer Leiter konnte Werner Vollmer gewonnen werden, der den Chor übernahm und bis 2006, als seine Gesundheit zu wünschen übrig ließ, betreute.

Nun war es Zeit zu einer größeren Veränderung. Inzwischen war 2005 Monika Paschka als erste Vorsitzende angetreten und damit der Generationenwechsel eingeläutet. Als neuer Chorleiter wurde Lothar Lemcke gefunden, erstmals kein Lehrer sondern ein Pianist. Nun mussten auch neue Sängerinnen und Sänger gewonnen werden. Eine große Werbeaktion brachte eine Gruppe zusammen, die sich am 24. Juni 2007 als Projektchor der Öffentlichkeit vorstellte und auf Anhieb gut gefiel. Es ist zu wünschen, dass sich das Vereinsleben weiterentwickelt und die alte Blüte erreicht. (Doris Kruttschnitt)

 

Juni 2007